Zurück zur Auswahl Wort zum Sonntag Hr. Pfarrer Dr. Tadeusz Pyzdek

 

28.Sonntag „A“–Zu Phil 4,12-14.19-20

Wenn ich auf der Straße so viele verbitterte, unzufriedene alte und junge Leute sehe, dann erinnere ich mich an die bekannte Geschichte von einem König, der an einer schweren Krankheit litt. Alles was er hatte und aufbieten ließ, nützte ihm nichts. Sein Arzt wusste sich keinen Rat mehr und versuchte es mit einem ganz sonderbaren Mittel: „Mein König“ sagte er, „du kannst geheilt werden, wenn du einen Menschen findest, der zufrieden ist. Dessen Hemd muss du nur einen Tag und eine Nacht tragen.“ Sogleich ließ König Boten ins ganze Reich schwärmen, um einen solchen Menschen zu suchen. Nach langer, langer Zeit kehrten die Boten an den Königshof zurück - ohne dieses Hemd: „Habt ihr wirklich keinen zufriedenen Menschen in meinem großen Reich auftreiben können“, fragte der König in einem merklich ungehaltenen Ton. „Oh doch, Majestät“, sagte einer der Boten: „Wir haben einen zufriedenen Menschen in deinem Reich gefunden, den einzigen.“ „Wusste ich es also doch“, antwortete der König, „und warum habt ihr mir sein Hemd nicht mitgebracht?“ Nur zögernd kam die Antwort der Boten: „Er hatte keines!“

An diese Geschichte sollten wir auch denken, als wir im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi lasen. Er hatte diese Gemeinde auf seiner zweiten Missionsreise um das Jahr 50 gegründet. Es war die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden. Den Brief an sie hat er vermutlich um das Jahr 55 aus dem Gefängnis in Ephesus geschrieben. „Ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: In Satt-sein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“. Was muss das für ein Mensch sein, der so etwas sagen kann? Ist Paulus einer, der so abgestumpft ist, dass er für Kalt und Warm, für Hell und Dunkel schon keine Empfindungen mehr hat? Kann das einem normalen Menschen überhaupt egal sein: Entbehrung oder Überfluss, Hungern oder Satt-sein? Keine Angst! Auch Paulus ist das nicht egal; er ist auch nicht unempfindlich oder abgestumpft. Das zeigt uns ein Blick auf seine Haltung hinter dem Verhalten.

Paulus hatte gefunden, was er gesucht hatte; oder noch besser, er hatte sich finden lassen von Jesus. Paulus war zum Frieden gekommen in der Begegnung mit Jesus, jetzt war er zufrieden. Alles andere war die Folge dieser Begegnungsgeschichte, dazu gehörte auch die Teilnahme am Schicksal dessen, dem er nachfolgte. Dieser gab ihm diese schier übermenschliche Kraft, die Hunger und Durst, Demütigung und Spott auf den zweiten Platz verwies. Den ersten Platz in seinem Herzen hatte Jesus Christus eingenommen. Dieses „Wertsystem“ gab Paulus die Kraft zu seinem Leben in der Verkündigung der Frohen Botschaft, zum Leben im Dienst an der „Sache Jesu“ und zur Treue auch im Sterben um des Namens Jesu willen.

Zufriedenheit ist nicht die Stumpfheit, die lediglich die Resignation kaschiert, es ist die Kraft zu dem Leben in Fülle, das Jesus denen verheißen hat, die hinter ihm hergehen. „Suchet zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazugegeben werden“. Aus dieser Quelle lebte Paulus. Aus ihr schöpfte er seine Kraft. Alles andere wurde dadurch zweitrangig, nicht nebensächlich, denn Entbehrungen, Krankheiten, Hunger, Durst, Spott, Gefängnis und Tod sind keine Nebensächlichkeiten. Die Kunst zufrieden zu sein, hängt für die Christen von ihrer Beziehung zu Christus ab. Darum möchten wir wie Paulus sagen können: Ich vermag alles durch Christus, der mir die Kraft gibt.

Predigt von Pfarrer Dr. Tadeusz Pyzdek

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