Zurück zur Auswahl Wort zum Sonntag Hr. Pfarrer Dr. Tadeusz Pyzdek

2. Adventsonntag „B“ – Zu Mk 1,2‑8

„Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ Ruft uns Johannes der Täufer am zweiten Adventsonntag zu. Er fordert uns auf, das Unmögliche zu tun, alle Hindernisse auszuräumen, den Weg frei zu machen, auf dem Gott zu den Menschen kommen kann. Wenn wir also fragen, wo wir als Kirche anfangen müssen, um den Weg frei zu räumen, dann wird manch einer sagen: Wir müssen die Kirche reformieren. Dann zeigt man schnell auf die Amtskirche und den Papst, dann kommen die alten und belastenden Themen wie Zölibat und Frauenpriestertum, die vermeintlich verklemmte Sexualmoral der Kirche usw… Und man meint dann schnell: Wenn wir das alles verändert haben, dann ist der Weg frei. Das ist aber blauäugig. Natürlich ist es richtig, dass sich die Kirche verändern muss. Aber diese Veränderung muss sehr viel tiefer ansetzen. Vor allem sollen wir nicht außer Acht lassen, dass wir selbst die Kirche sind. Und das bedeutet: Wir müssen uns ändern. Und genau dazu lädt uns die Adventzeit ein.

Angesichts des Trends: Kauft! Gebt Geld aus! Gönnt euch was! Verkündet Johannes eine Botschaft, die uns in unserem Innersten anspricht. Durch seine strenge Askese zeigt er uns, dass nicht Konsumieren und Genießen die höchsten Ziele im Leben sein müssen. Er lebt einfach, übt Abstinenz und bezeugt mit seinem extremen Beispiel, dass man auch mit weniger auskommt, dass materieller Verzicht frei machen kann von Abhängigkeiten und Zwängen und dass er geistigen Gewinn bringen kann.

Johannes demonstriert uns: Zum Leben gehört nicht nur der Genuss, sondern auch der Verzicht, gehören nicht nur die Freuden, sondern auch das Leid. Mit seinem freiwilligen Opfer gibt er uns einen Fingerzeig dafür, dass auch die dunklen Seiten des Lebens nicht sinnlos sind, dass vielmehr jedes Leid, auch das unfreiwillige, von Gott auferlegt, uns Menschen zum Heil werden kann. Wenn später Jesus selbst uns dazu einlädt, unser eigenes Kreuz zu tragen, dann erfahren wir, dass es erlösende Kraft gewinnt, weil es ein Mittragen ist an seinem Kreuz.

Johannes will noch mehr erreichen: Er will seine Zuhörer und uns offen und bereit machen für das Kommen des Messias, bereit machen für Gott. Johannes hat ein Ziel vor Augen, den Messias. Seine Predigt weist nach vorne. Er kennt die Verheißung, die Gott gegeben hat, er weiß von der großen Zukunft, die der Mensch erhoffen darf. Die Zeit, die ihm hier geschenkt ist, ist ihm Advent, ist ihm Vorbereitungszeit dafür, dass er diese Zukunft gewinnt.

Wir sind über die Zeit des Johannes hinaus. Der Messias ist gekommen, Gott hat sein Wort eingelöst, wir können Weihnachten feiern. Doch noch ist das Reich Gottes nicht vollendet, noch gilt es für jeden von uns, es zu gewinnen. Unser irdisches Leben ist die Vorbereitungszeit dafür, ist unser Advent.

„Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ Wenn wir heute wirklich den Weg frei machen wollen, damit Gott bei uns ankommen kann, dann wird uns das nur gelingen, wenn wir zuerst selbst entdecken, dass Gott da ist, dass er in unserem Leben wirksam ist. Dies entdecken wir sowohl im Sakrament der Buße wie auch und der hl. Kommunion. Und wenn auf diese Weise das Licht des christlichen Glaubens, das Licht von Bethlehem, in unseren Herzen zu leuchten beginnt, dann wird in der Welt auch wieder neu eine eindrucksvolle Leuchtspur gelegt sein, dann ist die Kirche tatsächlich eine Art lebensspendender Weg, auf dem Gott bei den Menschen unserer Tage ankommen kann.

Predigt von Pfarrer Dr. Tadeusz Pyzdek

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