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Geschichte der Pfarre und der Kirche Siebenhirtens

 Im Jahre 1447 wurde zum ersten Mal eine dem heiligen Mang geweihte Kapelle in Siebenhirten urkundlich genannt. Wahrscheinlich wurde der ursprüngliche Name durch Verballhornung auf St. Martin geändert. Bis 1797 hatte der Herrschaftsbesitz „Schellenhof“ eine eigene Hauskapelle und auch einen Geistlichen. Bereits 1544 stand in Siebenhirten eine Kapelle, die aber 1683 durch die Türken zerstört und von der Bevölkerung nur notdürftig wieder hergestellt wurde. 1685 wird Siebenhirten unter den übrigen Filialen der Pfarre Atzgersdorf angeführt. Im Jahre 1762 erbat sich die Gemeinde Siebenhirten vom fürsterzbischöflichen Konsistorium in Wien einen Weltpriester, der alle Sonn- und Feiertage die heilige Messe las und nachmittags eine christliche Lehre hielt. Frau Eleonore von Sauberskirchen, Besitzerin der Herrschaften Rodaun, Siebenhirten und Schellenhof, setzte sich beim Konsistorium dafür ein, dass in Siebenhirten ein Priester dauernd angestellt werde. Die Gemeinde verpflichtete sich, demselben jährlich 100 Gulden zu bezahlen. Frau von Sauberskirchen und der jeweilige Inhaber der Herrschaft Rodaun erhielten das Vorschlagsrecht.

 Am 27. 10. 1783 wurde Siebenhirten von der Mutterpfarre Atzgersdorf getrennt und zur selbstständigen Pfarre erhoben. Dem Priester Anton Maussin wurde die pfarrliche Jurisdiktion erteilt. Er erhielt aus dem Religionsfond 250 Gulden und von der Gemeinde 100 Gulden jährlich. Das Patronat wurde der Gemeinde Siebenhirten überlassen. Da die Gemeinde später die 100 Gulden nicht aufbringen konnte und auch Schellenhof nichts beisteuerte, wurde nach langwierigen Streitigkeiten die Lokalkaplanei nach Atzgersdorf zurückgepfarrt. Die wiederholte Bitte der Gemeinde Siebenhirten um einen eigenen Seelsorger wurde durch Hofbescheid vom 7.10.1798 ein für allemal abgewiesen. Die kirchlichen Funktionen wurden wieder dem Pfarrer von Atzgersdorf überlassen. Es blieb ihm aber freigestellt, die Seelsorgefunktionen auch einen Aushilfspriester ausüben zu lassen, nur die Eheverkündigungen, Brautleuteprüfungen und Trauungen blieben dem Pfarrer vorbehalten. Bis zum Jahre 1886 wohnten die Seelsorger in Privathäusern. In dem genannten Jahr kaufte die Gemeinde ein ebenerdiges Haus, das nun als Unterkunft des Priesters diente.

Mit Wirksamkeit vom 1. 3. 1912 wurde Siebenhirten wieder selbstständige Pfarre und erhielt am 3. 3. 1912 Albert Kersting zum Pfarrer. Er wohnte in dem in der Ketzergasse 38 (Ecke Nowakgasse) im Jahre 1912 neu errichteten Pfarrhof. Der Urheber der Kirche, die beim Friedhof stand, war der Müllermeister Friedrich Kieninger, dessen Grabstein aus rotem Marmor unter der Kanzel zu sehen war. Wahrscheinlich hat dieser Wohltäter der Kirche 1721 dort auch seine Grabstätte gefunden. Die Kirche muss demnach vor dem Jahre 1721 erbaut worden sein, was auch mit den Architekturformen übereinstimmte. Im Inneren hatte die Kirche einen Hochaltar mit dem Bildnis des heiligen Bischofs Martin und zwei Seitenaltäre. Der rechte Seitenaltar mit dem Bilde stammte von der Hauskapelle der ehemaligen Brauerei Schellenhof, er wurde 1875 von dort in die Kirche gebracht. Unmittelbar an die Kirche schloss der Friedhof an, der infolge der Bevölkerungszunahme wiederholt vergrößert werden musste.

Bis zum 23. 08. 1944 stand das um 1700 errichtete Gotteshaus auf dem Gelände des heutigen Friedhofs. An diesem Tag hätte ein Bomberverband der 15. Alliierten Luftflotte die damalige ölraffinerie „Danubia“ angreifen sollen; durch einen Navigationsfehler entlud sich aber der größte Teil der Bombenlast über dem Ort Siebenhirten. Dabei wurden an die 300 Menschen getötet und unter anderem auch Kirche und Pfarrhof vollkommen zerstört. Der Friedhof war wie umgeackert, Grüfte waren geöffnet, Leichenteile lagen weit verstreut. Auch die Pfarrchronik fiel damals den Flammen zum Opfer, so dass über die ersten Jahrzehnte der Pfarrgeschichte fast keine zuverlässigen Angaben möglich sind. Der damalige Ortspfarrer Josef Bauer wurde beim Aufsuchen eines Splittergrabens von Bombensplittern getroffen und schwer verletzt. Die Seelsorge wurde danach kurze Zeit von dem Redemptoristenpater Doskozil weitergeführt und dann ganz von der Pfarre Vösendorf übernommen.

Erst im Mai 1945 begann mit Pfarrer Josef Ruzek, der mit dem Wiederaufbau der Pfarre betraut wurde, wieder eine regelrechte Seelsorgetätigkeit. Im selben Jahr wurde auf dem Grundstück des zerstörten Pfarrhofes eine Baracke als Notkirche errichtet und am 4. 11. 1945 von Sr. Em. Kardinal Dr. Theodor Innitzer geweiht. Im Jahre darauf wurde daneben ein Holzhaus als Pfarrhof gebaut. 15. 9. 1949 – an diesem Tag ist ein Tauschvertrag zwischen der Pfarre Siebenhirten und der Gemeinde Wien unterzeichnet worden. Der Grund auf dem Friedhof, wo die alte Kirche stand, war Eigentum der Pfarre, der Pfarrhof hingegen Eigentum der Gemeinde. Die Gründe wurden getauscht.

Am 6. 8. 1950 trat Pfarrer Friedrich Lhotsky seine Stelle als Lokalprovisor in Siebenhirten an. Er wurde mit dem Bau einer neuen Pfarrkirche beauftragt und er begann mit all seiner Kraft sich dieser Aufgabe zu widmen. Die Erzbischöfliche Finanzkammer erwarb am 5. 5. 1951 für die Pfarre Siebenhirten den Grund Ecke Ketzergasse - Endlwebergasse, damit auf diesem Grund die Pfarrkirche und der Pfarrhof errichtet werden können. Im September 1952 stellten drei junge Architekten Herbert Schmid, Otto Rinder und Otto Sobetzky bei einer Leistungsschau anlässlich des Wiener Katholikentages ein Projekt für den Kirchenbau vor. Dieses Projekt wurde von der Diözese genehmigt und die Baufirma Buchwieser begann am 15. 11. 1954 mit dem Neubau der Pfarrkirche.

Zahlreiche Schwierigkeiten bezüglich der Finanzierung mussten überwunden werden. Es war zwar der Bau der Kirche finanziell gesichert, doch für den Innenausbau waren kaum Gelder vorhanden. Nur dem unermüdlichen Fleiß von Pfarrer Friedrich Lhotsky war es zu verdanken, dass es ihm durch zahlreiche Spendenaufrufe gelang, die Kirche nach und nach auch innen auszugestalten. Am 22. 1. 1955 war dann für Siebenhirten ein großer Festtag gekommen, Ex. Koadjutor Dr. Franz Jachym nahm die Grundsteinweihe vor. Am 6. 11. 1955 weihte er dann das fertiggestellte Gotteshaus und übergab es seiner Bestimmung.

Die Kirche, geweiht dem Hl. Martin, hat einen Altar in dem die Reliquien der Heiligen Concordius und Valeria verwahrt sind. Der Altar wurde im Jahre 1967 nach Plänen von Ing. Anton Hrabe zu einem Volksaltar umgebaut. Das Altarbild, das das Leben des Hl. Martin darstellt, stammt vom akademischen Maler Hans Brunner. Der Bildhauer der Muttergottesstatue sowie aller Skulpturen der Kirche ist Albin Moroder aus Mayerhofen im Zillertal. über dem Seitenaltar prangt das Bild „Letztes Abendmahl“ von Prof. Theodor Klotz. Der Taufstein stammt aus der aufgelassenen Kirche St. Florian in Wien-Matzleinsdorf. 1977 schuf die akad. Malerin Ruth C. Mannhart für die Kirche einen Kreuzweg, der in Mosaiktechnik gemalt ist. Die 1864 erbaute Orgel, die unter Denkmalschutz steht, wurde von uns von der Pfarre Wien-0ber St. Veit gekauft. Die übertragung erfolgte durch den Orgelbauer Karl Soukop, der am 11. 11. 1956 seine Arbeit beendet hatte. Im August 1972 wurde die Orgel durch den Orgelbaumeister Gollini erweitert und renoviert.

Der etwas abseits der Kirche frei stehende 24 Meter hohe Turm beherbergt drei Glocken: Marienglocke - 247 kg, die Josefsglocke - 145 kg und die Nikolausglocke - 82 kg. Die drei Glocken wurden am 27. 10. 1955 in St. Florian gegossen und am 13. 11. 1955 in der Kirche von Prälat Wildenauer geweiht. Am 29. 8. 1958 begannen die Bauverhandlungen für den Neubau eines Pfarrhofes. Mit dem Bau des neuen Pfarrhofes wurde Dipl.-Ing. Friedrich Stürzl beauftragt, der am 20. 9. 1958 mit dem Erdaushub begann. Am 1. 11. 1959 konnte der Bau fertiggestellt werden.

 Jetzt endlich konnte wieder eine geregelte Seelsorgearbeit aufgenommen werden, nachdem sie durch den Krieg und die darauf folgenden schwierigen Jahre der Besatzungszeit nicht immer leicht durchzuführen war. Pfarrer Lhotsky widmete seine ganze Kraft dieser Aufgabe. 27 Jahre seines Lebens stellte er völlig in den Dienst am Nächsten in unserer Pfarrgemeinde. Als er am 8. 12. 1977 gänzlich unerwartet an einem Herzinfarkt verstarb.

Am 1. 3. 1978 erhielt die Pfarre einen neuen Lokalprovisor, den Salesianerpater Dr. Karl H. Salesny, von dem wir jedoch bereits am 31. 7. 1978 wieder Abschied nehmen mussten. Am 1. 8. 1978 übernahm dann Mag. Boleslaw Zdunek als Lokalprovisor und später als Pfarrer die Pfarre. Nachdem der Pfarrhof infolge der rapiden Bevölkerungszunahme innerhalb der letzen Jahre viel zu klein geworden war, fasste der Pfarrgemeinderat 1980 den Beschluss, auf dem Gelände des Gartens des Pfarrhofes ein neues Pfarrheim zu errichten.

Nach Plänen von Architekt Herbert Schmid, der schon den Plan der Kirche entwarf, wurde der Bau des Pfarrheimes mit einem großen Saal im Erdgeschoß und Gruppenräumen im ersten Stock und im Keller beschlossen. Die Kosten, ca. 8 Mill. Schilling trug zum Großteil die Erzdiözese, 1,2 Mill. trug die Pfarre als Kredit, rückzahlbar in zehn Jahresraten, bei.  Die Grundsteinlegung erfolgte am 23. 01. 1983, die Einweihung nahm Bischofsvikar P. Josef  Zeininger am 14. 4. 1985 vor.

Das Pfarrheim ermöglichte dann die Tätigkeit vieler Gruppen. Neben dem Firm- und Erst-kommunionsunterricht für hunderte Kinder (siehe nachstehende Tabelle der Statistik), Legio-, Kirchenchor und Jugendgruppen bildete sich eine Volkstanz- und eine Theatergruppe. Ein Mutter – Kindkreis, Bibelrunden und ein Volksliedersingkreis belebten das Pfarrheim. 1994 begann Frau Herta Chalupa gemeinsam mit Frau Anneliese Katzensteiner mit einer Kindergartengruppe im 1.Stock. So bevölkern jetzt auch zehn bis zwölf Kinder jeden Vormittag das Pfarrheim.  

Im Dezember 1995 erfolgte durch Bischofsvikar Anton Berger die Amtseinführung von Diakon Erich Weber in der Pfarre. Mit 1. September 1996 übernimmt Hr. Dr. Tadeusz Pyzdek, der seit 1991 als Kaplan in der Pfarre tätig war, das Amt des Pfarrers an Stelle von Msgr. Boleslaw Zdunek, der in den wohlverdienten Ruhestand geht und im Juni 2002 in seiner Heimat in Polen verstarb.

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